Nach 8 langen und schweren Qualifikationsrunden während dieser Saison trafen sich die besten Zanderangler zum alljährlichen Höhepunkt, dem NKS-Finale (Holländische-Meisterschaft-Zanderfischen). Es war ein trüber, verregneter 16. November, als die 46 besten 2er Teams am Lek bei der Ortschaft Ameide ihre Boote zu Wasser ließen, um die Meister 2009 im Zanderangeln zu ermitteln. Dieses Mal waren neben dem üblichen Hauptfeld niederländischer Zanderfreaks auch eine große Zahl belgischer und deutscher Qualifikanten dabei. Getrailert wurde an drei Stellen und pünktlich um 8:30 Uhr viel der Startschuss. Das Gewässer war nur wenigen Anglern bekannt, was es für alle Beteiligten umso spannender machte. Angesichts der Tatsache, dass es sich hier um einen sehr breiten Flussabschnitt des unteren Rheinlaufs mit Gezeitenströmung handelt, konnte man mit guten Zandern rechnen. Wie recht die Organisatoren mit dieser Wahl hatten konnte man später an den überdurchschnittlich guten Fangergebnissen sehen. Gefischt wurde zwischen den Buhnen und entlang ruhigerer Flussabschnitte. Auf einer Länge von etwa 10 Kilometer verteilten sich die 46 Boote gleichmäßig, auch der Fisch lag großflächig verstreut zwischen den Buhnen. Da bei Wettkämpfen in fließenden Gewässern nicht vom verankerten Boot aus gefischt werden darf, haben sich alle Teilnehmer driften lassen. Mal mit und mal gegen die wechselnde Strömung. Meist mit Gummiködern oder mit dem Fireball und toten Köderfischen. Erste Wahl bei den Köderfischen war selbstverständlich der Stint, welcher hier in dem Gezeitenabschnitt auf natürliche Weise vorkommt und ganz oben bei den Räubern auf der Speisekarte steht. Die ersten Fische stellten sich bei den meisten Teilnehmern schon nach wenigen Minuten ein. Die Strömung war gleich zu beginn optimal und das ablaufende Wasser sorgte für harte Anbisse auf ganzer Linie. So wurden bereits in der ersten halben Stunde die beiden kapitalsten Zander der gesamten NKS-Saison 2009 gefangen: ein Zander von 98cm (Fänger: Jörg Lauen Deutschland) auf einen Gummifisch und der spätere Gewinnerzander von 98,3cm (Fänger: Ron Heijne Holland) auf Fireball und Stint. Jedoch die gute Beisserei ließ mit fallendem Wasserstand stetig nach und so hatten die Kontrollboote nach anfänglicher Schwerstarbeit beim Vermessen der gefangenen Fische endlich Zeit für einen warmen Kaffee. Es war ein Finale mit echtem Novemberwetter: viel Regen und ordentlich Wind, die Sonne ließ sich nur selten sehen. Der hohe Deich am Lek brachte allerdings genügend Deckung vor dem frischen Westwind. Dennoch die Elektromotoren mussten volle Leistung bringen, wollte man auch in der weniger aktiven Beissphase weiterhin mit Bissen rechnen. Nur eine kleine Gruppe Finalisten hatte den Bogen raus und regierte auf die wechselnden Wasserstandsverhältnisse mit entsprechender Drift, was ihnen regelmäßig kostbare Zentimeter brachte. Zum Ende hin, um 15:00 Uhr, waren alle Boote erfolgreich und konnten Fische landen. Alle 46 Teams lieferten während des 6-stündigen Wettkampfs zusammen 190 Zander an die Kontrollboote zum vermessen ab. Zander mit einer Mindestlänge von 42cm und mehr wurden notiert und gingen in die Wertung ein. Wie wichtig dabei das millimetergenaue Vermessen der lebenden und sofort releasten Fische ist, sollte in einem noch nie dagewesenen Finale-Triller deutlich werden. Von jedem Team werden nur die 7 längsten Zander gewertet. Dabei ist jeder Millimeter ein Punkt. Es gibt keine Bonuspunkte für kapitale Fische – jeder Zander geht mit seiner exakten Länge in die Wertung ein. Nach langem Rechnen wurde schliesslich das Endergebnis am selben Abend in geselliger Runde im Vereinslokal bekanntgegeben. Die drei größten Zander des Finales waren: 98,3cm (Ron Heijne, Holland), 98cm (Jörg Lauen, Deutschland) und 88cm (Dietmar Isaiasch, Deutschland). Meister und Gewinner eines High-Tech Aluminium-Angelbootes wurden die Niederländer Eric Bemmel und Peter Roeg (mit 7 Zander und 4350 Punkte/Millimeter). Der Titel Vizemeister ging an das deutsche Team Eckehard Götze und Dietmar Isaiasch mit nur 8 Millimeter Differenz (7 Zander und 4342 Punkte/Millimeter). Insgesammt haben 10 Teams die maximale Fischanzahl von 7 Stück erreicht. Ein spannendes Finale mit vielen guten Zandern. Die Qualifikationsfischen und Ausscheidungen zum Finale 2010 beginnen bereits am 10. Januar 2010. Anmeldungen, Reglement sowie alle Infos zu den jeweiligen Wettbewerben gibt’s unter:
www.nksnoekbaarsvissen.nl
Für uns beide war der Lek in diesem Abschnitt Neuland. Klar haben wir als eingefleischte Flussangler wenig Mühe uns mit den Gegebenheiten eines Fließgewässers vertraut zu machen. Aber während eines nur 6 1/2 stündigen Angelns, wo jede Minute zählt und jede Fehlentscheidung über Sieg und Niederlage entscheiden kann, hat man nicht viel Zeit für Experimente. Und da helfen Ortskenntnisse weiter. Für uns war der Abschnitt neu und dann hilft nur eines – sich auf seine Spuernase und sein Echolot zu verlassen. In der Kurve in der sich eine der Trailerstellen befand haben wir gleich zu Anfang viel Fisch lokalisiert und auch die Art und Weise wie die Strömung durch die Aussenkurve zog machten Ecki und mir Mut es gleich hier zu versuchen. Da das Reglement nur die Wertung von maximal 7 massigen Zandern pro Team vorsieht (die 7 größten Fische), haben wir uns entschlossen gleich mit großen Ködern zu starten. Auch auf die Gefahr hin zahlenmäßig weniger Zander zu landen als unsere Konkurrenten. Aber wir brauchen ja nur 7 (!) Fische und da zählt halt die Größe. Statt der üblichen V-Schwanz- und Tentakel-Gummis in den Längen von 10 bis 13 Zentimeter, Köder die uns bei allen Meisterschaften begleiten und immer für viele Punkte sorgen, setzten wir auf mehr beweglichere Gummis mit breitem Hammerschwanz. Ecki montierte einige 5“ Lunkercity Salt Shaker sowie XL Big Hammer in 6“. Ich setzte alles auf meine neue Geheimwaffe für Kapitale, ein Shad mit dem ich eine Woche zuvor auf der Ijssel bei Arnheim etliche fette Zander und zwei kapitale Hechte überlisten konnte. Und zwar die ersten Prototypen des neuen FOX Rage Shads in 7“ (18 Zentimeter Länge). Was darauf beisst hat Mass! Wie recht ich damit hatte...Gleich nach dem Startschuss sausten die meisten Boote flussabwärts nur einige wenig blieben mit uns in der breiten Aussenkurve. Der Strömungsdruck war ideal für Bleikopfe von 25 Gramm. Kombiniert mit einem 6er Stinger Drilling am Schwanzende ging mein FOX Shad auf Tauchstation. Ich entschloss mich entlang der Strömungskante von 4 Meter vertikal unterm Boot zu fischen, während Ecki vorn vom Bug aus mit dem Salt Shaker die Steinpackung absuchte. Die Rechnung ging auf. Schon nach dem dritten Bodenkontakt gab es einen knallharten Anbiss auf meinen fetten Gummishad und der erste Zähler – ein Zander von ende 50 – landete im Boot. Keine zwei Minuten später meldete sich ein noch größerer Zander bei mir und schon bald folgte Zander Nummer drei auf Eckis weissen Salt Shaker. Drei sehr gute Punktebringer in nur 15 Minuten im Boot, dass macht Mut. Bis um 11:30 Uhr hatten wir unsere 7 Zander gefangen. Jetzt ging es darum das Resultat mit ein paar guten Fischen zu verbessern – Ecki nennt es immer „Schönheitskorrektur“. Nachdem es 3 zu 4 für den Salt Shaker stand, meine Fische aber bis dato größer waren, montierte auch Ecki einen meiner neuen FOX Shads. Wenige Driftmeter später hatte er auch schon einen richtig dicken Zander drauf, der jedoch nach einigen harten Kopfschlägen ausstieg. Dann war ich an der Reihe. Ein gewaltiger Schlag und so plötzlich wie der Fisch zupackte und die Rutenspitze nach unten riess, so plötzlich war alles vorbei. Zwei Kapitale in weniger als 10 Minuten abgehängt. Wir hätten den Sack zumachen können. Die Strömung wurde stärker, die Bisse wurden überall immer weniger und Ecki wechselte schliesslich auf einen XL Big Hammer, ich hatte Vertrauen und setzte alles auf meinen 18er Shad. Es kam, wie es kommen musste, es war so gegen 13:30 als ein erneuter Einschlag Eckis Vertikalrute zum Halbkreis biegen liess. Aber auch der Fisch verabschiedete sich. Mit großen Ködern passiert es schon mal, aber gleich drei davon bei einer Meisterschaft zu versieben, ist wie im Finale einer Fussball-WM drei Elfer zu verschiessen. Der Frust stand uns beiden im Gesicht geschrieben. Als schliesslich ein fetter Zander eine Stunde vor Ende meinen Shad inhalierte. Nach kurzem, aber hartem Fight konnten wir einen kugelrunden 88er dem Kontrollboot anbieten. Diesem Fisch folgten in der Schlussphase noch drei weitere Fische mit denen wir kleine Resultatsverbesserungen durchführen konnten. Am Ende hatten wir 11 massige Zander gefangen und drei tolle Fische vergeigt. Unsere Taktik mit dem Motto: „Big fängt Big“ hatte funktioniert.